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Artikel-Schlagworte: „Polyzystisches Ovarialsyndrom“

Hyperandrogynämie

Die Hyperandrogenämie ist neben der hypothalamischen Dysfunktion die häufigste Form von Zyklusstörungen bei jungen Mädchen. Die häufigsten Symptome und Befunde einer Hyperandrogenämie sind:

  • Hirsutismus
  • Acne vulgaris
  • Seborrhoe
  • Effluvium, Alopecia androgenetica
  • Virilismus (starke Androgenisierung mit Klitorishypertrophie, Stimmveränderungen, Zunahme von Muskelmasse, Muskelkraft).

Diese Befunde sind meist Anlass für die Vorstellung in einer Sprechstunde. Sämtliche androgenetischen Symptome werden durch die Androgenhormone Testosteron, Dihydrotestosteron, das Proandrogen Androstendion verursacht. Das Ausmaß der androgenetischen Veränderungen ist nicht direkt mit dem Schweregrad des Androgenexzesses korreliert. Für die genaue Diskription des Hirsutismus hat sich die Klassifikation nach BARON (1974) bewährt.

Folgende Diagnostik ist im Rahmen von androgenetischen Symptomen oder Befunden angezeigt:

  • Anthropomorphe Daten: Body-Mass-Index, Taille-/Hüft-Quotient
  • Diskription der androgenetischen Veränderungen
  • Ultraschalldiagnostik (transabdominal oder vaginal, soweit möglich) mit Bestimmung von: Uterusgesamtlänge und Endometriumdurchmesser, Sonomorphologie der Ovarien mit Messung des Ovarvolumens (= Länge x Höhe x Breite x 0,5), Größter Längsdurchmesser, Anzahl der Follikel (normal < 11), Anzahl der Follikel mit Durchmesser < 6 mm (bei PCO mehr als 50 %, Echogenitat des Stromas).
  • Labor: Basisbestimmung (möglichst Mischserum) von: Testosteron, DHEAS, Androstendion, SHBG, FSH, LH, Prolaktin, TSH. Blutentnahme möglichst vor 15 Uhr (wegen Anstiegs der adrenalen Androgensekretion) in der Follikelphase.

Die weitergehende Diagnostik richtet sich nach den Basiswerten und umfasst folgende Tests:

  • Dexamethason-Test
    Orale Glukosebelastung (bei erniedrigtem SHBG und Adipositas)
    Fettstoffwechseluntersuchung.

Häufige klinische Erkrankungen bei jungen Mädchen:

  • Das PCO/HAIR-Syndrom,
  • Das adrenogenitale Syndrom.

Das PCO-Syndrom ist eine Assoziation unterschiedlichster Phänotypen mit zahlreichen Symptomvarianten und Kombinationen. Das typische PCO-Syndrom ist charakterisiert durch

  • Hyperandrogenämie mit Hirsutismus, Akne, Alopezie, Seborrhoe (fakultatives Auftreten)
  • Übergewicht oder Adipositas mit Insulinresistenz, + Fettstoffwechselstörung
  • Vergrößerte polyzystische Ovarien.

Bei diesem Syndrom ist die Hyperandrogenämie eine Folge des LH-Effektes auf die Theka interna mit Erhöhung der ovariellen Androgenproduktion. Der Hintergrund ist häufig eine genetisch bedingte Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie. Die Folgen sind metabole (Adipositas, Fettstoffwechselstörung, Prädiabetes oder Typ-II-Diabetes) und gonadale Befunde (Hyperandrogenämie, Anstieg der LH-Sekretion mit follikularem Arrest). Typischerweise beginnt das PCO/HAIR-Syndrom mit der Pubertät, mit Verlängerung der Zeitspanne zwischen Adrenarche und Menarche über mehr als drei Jahre und ansteigendem Gewichtsverlauf. Bei diesem Erkrankungsbild hat die Adipositas und Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie eine wichtige pathophysiologische Bedeutung. Dabei kann allein die Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie, jedoch auch Störungen der Androgenbildung im Rahmen eines Polymorphismus im P450-C17-a-Gen mit funktioneller, ovarieller und adrenaler Hyperandrogenämie wegbereitend sein. Es wird angenommen, dass diese Genpolymorphismen die biomolekulare Basis darstellen, wobei ein 2. pathogenetischer Faktor (second hit) notwendig ist, um das Vollbild auszulösen.

Die Therapie des PCO soll folgende Ziele verfolgen:

Beseitigung der Hyperandrogenämie durch

  • Suppression einer überschießenden NNR-Aktivität mit Kortikosteroiden, Suppression der Ovarialaktivität mit antiandrogenwirksamen oralen Kontrazeptiva.

Beseitigung der Hyperinsulinämie durch

  • Gewichtsreduktion (ausgesprochen schwierig), Ausdauersportbetätigung, Medikamente (am besten untersucht ist Metformin in einer Dosierung von 1- 3 x 500 mg sowie Acarbose), Normalisierung des Fettstoffwechsels (Diät, Statine, Filrate).

Das late-onset-AGS (adrenogenitales Syndrom)

Das adrenogenitale Syndrom ist durch eine kongenitale Enzymstörung der 21-Hydroxylase verursacht. Neben der Basisdiagnostik ist die Bestimmung von 17-Hydroxyprogesteron ausschlaggebend und beweisend. Bei fraglichen Werten, die stets in der Follikelphase bestimmt werden müssen, ist ein ACTH-Test (Heterozygotentest) beweisend. Der klassische Hydroxylasedefekt, der nach der Pubertät meist in Form eines late-onset-AGS (d.h. nicht klassische Form des AGS) auftritt, ist in 6% die Ursache der Hyperandrogenämie.

Kennzeichen sind:

  • Vorzeitige Adrenarche,
  • Akzeleration des Knochenalters,
  • Hirsutismus, Akne, Seborrhoe,
  • Glatzenbildung,
  • Kleinwuchs,
  • Zyklusunregelmäßigkeiten, Amenorrhoe und Sterilität.

Die Therapie liegt in der Regel in der Verwendung von Kortikosteroiden zur Minderung des Androgenexzesses und/oder gleichzeitig antiandrogenen Kontrazeptiva. Bei jungen Mädchen ist die frühzeitige Erkennung der Hyperandrogenämie und der dahinterstehenden möglichen Störungen des Glukose- und Fettstoffwechsels elementar wichtig, da damit zahlreiche komplexe spätere Krankheitsbilder präventiv erfasst werden können. Es handelt sich dabei um Erkrankungen wie das metabolische Syndrom Typ-II-Diabetes mit den Folgeerkrankungen: Kardiovaskulär und zerebrovaskulär (Herzinfarkt und Schlaganfall), erhöhtes Risiko für Endometrium- und Mammakarzinom.

Kinderwunsch – PCOS

PCOS und Kinderwunsch

Eines der Hauptprobleme ist, dass das PCOS zu Störungen der Follikelreifung und zum Ausbleiben des Eisprungs führt. In fortgeschrittenen Stadien findet sich eine Vielzahl kleinerer, so genannter “antraler” Eibläschen (Follikel), die über ein gewisses Stadium der Entwicklung nicht hinauskommen. Da inzwischen bekannt ist, dass bei etwa 50% der Patientinnen auch eine Störung im Zuckerstoffwechsel mit chronisch erhöhten Insulinspiegeln im Blut (Insulinresistenz) vorliegt und dass diese Störung ursächlich mit der Erkrankung zusammenhängt, steht die Basistherapie mit einem Insulinsensitizer (Metformin) häufig am Beginn der Behandlung. Auch wenn Metformin in Deutschland derzeit nur für die Diabetesbehandlung zugelassen ist, ist sie inzwischen weltweit zur etablierten Therapie der ersten Wahl geworden.

Wenn Metformin nicht ausreicht ist häufig eine ovarielle Stimulationstherapie mit Clomifen oder Gonadotropinen erforderlich. Diese Therapie muss niedrig dosiert und behutsam erfolgen, da ein Hauptrisiko bei PCO-Patientinnen das unbeabsichtigte Heranreifen mehrerer Eibläschen verbunden mit einem deutlich erhöhten Mehrlingsrisiko ist. Manchmal dauert die individuelle Dosisfindung mehrere Wochen. Es ist dabei essentiell, dass weder die Patientin noch der Arzt die nötige Geduld verliert. Zyklen bei denen zu schnell gesteigert wird, müssen oft abgebrochen werden.

Kinderwunsch

Ovulationsinduzierende Medikamente
Diese Medikamente werden im Rahmen von vielen Fruchtbarkeitsbehandlungen angewendet. Ovulationsinduzierende Medikamente werden bei Ovulationsproblemen (Ovulationsinduktion) verordnet, um dafür zu sorgen, dass wieder ein Eisprung stattfindet. Diese Medikamente werden jedoch auch häufig in Kombination mit fruchtbarkeitsfördernden Behandlungen angewendet, um mehrere Follikel heranreifen zu lassen (ovarielle Hyperstimulation). Im Anschluss hieran werden so genannte assistierte Reproduktionstechniken wie beispielsweise intrauterine Insemination (IUI) oder IVF/ICSI angewendet. Es sind verschiedene Arten von ovulationsinduzierenden Medikamenten erhältlich.

* Ovulationsinduktion
* Ovarielle Hyperstimulation
* Allgemeine Risiken

Ovulationsinduktion

Ziel dieser Behandlung ist es, den Eisprung mithilfe von Medikamenten in Gang zu bringen bzw. zu stimulieren. Einer der wichtigsten Ursachen für ungewollte Kinderlosigkeit ist das Ausbleiben des Eisprungs. Wenn kein Eisprung stattfindet, kann auch keine Schwangerschaft entstehen. Im Fall von Ovulationsproblemen ist der Zyklus in den meisten Fällen unregelmäßig oder es treten überhaupt keine Menstruationsblutungen auf. Auch im Fall einer kurzen zweiten Hälfte des Zyklus (Lutealphase) kann die Fruchtbarkeit vermindert sein. Wenn nicht jeden Monat eine Eizelle aus den Eierstöcken freigesetzt wird, ist es glücklicherweise in vielen Fällen möglich, dem mithilfe von Medikamenten abzuhelfen. Dies wird als Ovulationsinduktion bezeichnet. Diese Medikamente sind in Form von Tabletten, Injektionen oder einer kleinen Pumpe erhältlich. Der Arzt entscheidet, welche Behandlung für ein Paar die am besten geeignete ist. Dies hängt unter anderem von den zugrunde liegenden Ursachen für das Ausbleiben des Eisprungs ab.

Der Arzt wird für jedes Paar individuell entscheiden, was die beste Vorgehensweise ist. In den meisten Fällen wird mit Tabletten (Clomifencitrat) begonnen. Die Reaktion der Eierstöcke auf dieses Medikament wird in der Klinik kontrolliert. Wenn es im laufenden Monat nicht geglückt ist, einen Eisprung herbeizuführen, kann die Dosierung im darauf folgenden Zyklus erhöht werden. Wenn es mit der maximalen Dosierung noch immer nicht klappt (‚clomifenresistent’), kann zu verschiedenen anderen Behandlungen übergegangen werden. In vielen Fällen wird in diesem Stadium mit Gonadotropininjektionen begonnen. In manchen Fällen (PCOS) wird manchmal vorab noch ein anderes Medikament (Metformin) an die Behandlung mit Clomifencitrat angeschlossen oder ein operativer Eingriff empfohlen. In manchen Fällen wird auch direkt mit den Injektionen begonnen. Auch in diesem Fall muss die erforderliche Dosierung im Einzelfall bestimmt werden. Das Lebensalter der Frau, mit anderen Worten die Eierstockreserve, ist für den Erfolg mitbestimmend: Im Allgemeinen ist bei einem höheren Lebensalter auch eine leicht höhere Dosierung erforderlich, damit es zu einem Eisprung kommen kann.

Ovarielle Hyperstimulation

Diese Medikamente werden nicht nur bei Frauen mit Ovulationsproblemen verordnet, sondern in vielen Fällen auch bei Frauen, die sich aus anderen Gründen Fruchtbarkeitsbehandlungen unterziehen. Die Anwendung dieser Medikamente in Kombination mit fruchtbarkeitsfördernden Techniken wie beispielsweise intrauteriner Insemination (IUI) oder In-vitro-Fertilisation (IVF) weist jedoch wesentliche Unterschiede zur Anwendung bei Ovulationsinduktion auf. In diesem Fall ist das Ziel der Behandlung, mehrere Eizellen heranreifen zu lassen, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Im Fall von IUI (bei der häufig nur einige wenige Follikel erforderlich sind) spricht man von einer milden Hyperstimulation, während diese Behandlung im Fall von IVF/ICSI als kontrollierte ovarielle Hyperstimulation bezeichnet wird.

Um das Heranreifen der Eizellen verfolgen zu können und da die Medikamente Hormone enthalten, die in manchen Fällen Nebenwirkungen haben können, müssen Sie während der Ovulationsinduktion regelmäßig zur Kontrolle in die Klinik. Es ist nicht nur wichtig zu kontrollieren, ob ein Eisprung stattfindet, sondern mindestens genauso wichtig zu verhindern, dass zu viele Eizellen gleichzeitig heranreifen. Dies würde zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft führen. Die maximal annehmbare Anzahl an Eizellen hängt von der Art der Behandlung ab. Das Auftreten des Eisprungs kann auf verschiedene Art und Weise kontrolliert werden. Ihr Arzt wird diese Wahl mit Ihnen besprechen.

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Allgemeine Risiken

Abgesehen davon, dass bestimmte Medikamente selbst zu möglichen Nebenwirkungen führen können, implizieren auch bestimmte Behandlungen gewisse Risiken. Diese Risken haben folglich mehr mit der Wirkung als mit den Medikamenten an sich zu tun. Ein allgemeines Risiko von Behandlungen, bei denen eine ovarielle Stimulation durchgeführt wird, ist das Auftreten einer Überstimulation. Die Wahrscheinlichkeit einer Überstimulation ist bei kontrollierter ovarieller Stimulation (IVF/ICSI) höher als bei einer milden Stimulation (IUI), und bei der Anwendung von Gonadotropinen ist diese Wahrscheinlichkeit wieder etwas höher als bei der Anwendung von Clomifen, das Prinzip ist jedoch dasselbe.

Darüber hinaus besteht bei ovarieller Stimulation eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft. Auch diese Wahrscheinlichkeit ist je nach Art der Behandlung unterschiedlich ausgeprägt und kann zu einem gewissen Teil durch gute Kontrollen und im Fall einer IVF-Behandlung durch den Transfer von weniger Embryos eingedämmt werden.

Hirsutismus – übermässiger Haarwuchs, PCOS

Hirsutismus nennt man eine dem männlichen Behaarungsmuster entsprechende Körper- und Sexualbehaarung bei der Frau, also Wachstum von Haaren im Oberlippen- und Kinnbereich, zwischen den Brüsten und um die Brustwarzen, an den Schultern, an den Oberschenkelinnenseiten, an der Mittellinie des Bauches und eventuell den Zehenrücken.

Während Hypertrichosen bei beiden Geschlechtern auftreten können, betrifft der Hirsutismus ausschließlich Frauen. Oft findet sich zusätzlich auch vermehrte Behaarung im Sinne einer Hypertrichose. In den meisten Fällen (ca. 90%) entsteht Hirsutismus ohne eine erkennbare Ursache. Die beim Hirsutismus vorliegende männliche Körper- und Sexualbehaarung entsteht durch die Wirkung männlicher Geschlechtshormone, sogenannter Androgene, die auch bei Frauen in geringeren Konzentrationen vorhanden sind. Ursachen für eine verstärkte Wirkung von Androgenen und somit für die Entstehung von Hirsutismus können sein:

  • eine verstärkte Bildung von Androgenen in den Nebennieren oder den Eierstöcken, ggf. durch einen seltenen androgenproduzierenden Tumor
  • eine verstärkte Umwandlung von Vorstufen der Androgene in fertige Hormone
  • eine geringere Produktion von Transporteiweißen, so dass mehr freie und damit wirksame Androgene im Blut vorliegen. Dies wird u.a. als Ursache für die Entwicklung eines Damenbartes im höheren Lebensalter angesehen
Hirsutismus-Score nach Ferriman und Gallwey

Bewertung:

  • ist die Summe in den unten aufgeführten Arealen > 5, besteht ein manifester Hirsutismus
  • Areale ohne Haare erhalten einen Score von 0
Oberlippe (1)wenig Haare außen,
(2)kleiner Bart außen,
(3)Oberlippenbart fast bis Mittellinie,
(4)Bart bis zur Mittellinie
Kinn (1)vereinzelte Haare,
(2)Haaransammlung,
(3)komplette Haardecke,
(4)dichte komplette Haardecke
Brust (1)einzelne periareolär,
(2)Haare in der Mittellinie,
(3) 3/4 bedeckt,
(4)komplett bedeckt
Rücken (1)einzelne Haare,
(2) mehrere Haare,
(3) komplette Haardecke,
(4) dichte komplette Haardecke
Lenden (1)sakrales Haarpolster,
(2)Polster mit lateraler Ausdehnung,
(3) 3/4 bedeckt,
(4) komplette Haardecke
Oberbauch (1)wenig Haare in der Mittellinie,
(2)mehr als (1) aber noch im Bereich der Mittellinie,
(3)halbe Haardecke,
(4)komplette Haardecke
Unterbauch (1)einige Haare in der Mittellinie,
(2)Strich von Haaren an der Mittellinie,
(3)Band von Haaren,
(4)umgekehrtes V
Oberarm (1)diskrete Behaarung,
(2)mehr, noch keine geschlossen Haardecke,
(3) halbe Hardecke,
(4)komplette Haardecke
Oberschenkel (1)diskrete Behaarung,
(2)mehr, noch keine geschlossene Haardecke,
(3)halbe Haardecke,
(4)komplette Haardecke

Hyperandrogenämie

Definition:
Hyperandrogenämie entsteht in Folge einer übermäßigen Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone (Androgene) durch die Eierstöcke (Ovarien) und/oder die Nebennieren.

Krankheitsentstehung: Als Androgene bezeichnet man Substanzen, welche die Entwicklung und Ausbildung männlicher Geschlechtsmerkmale fördern. Die im weiblichen Organismus gebildeten Androgene fungieren hauptsächlich und in allen Lebensaltern als Vorstufen bei der Östrogen-Synthese (Bildung weiblicher Geschlechtshormone). Darüber hinaus erfüllen sie aber auch als Androgene selbst im weiblichen Organismus physiologische Funktionen. Eine Hyperandrogenämie kann durch unterschiedliche Grunderkrankungen bzw. Funktionsstörungen hervorgerufen werden. Die folgende Auflistung entspricht der Häufigkeit dieser Krankheitsbilder und Funktionsstörungen, die jeweils separat an anderer Stelle besprochen werden.

1. PCO-Syndrom (Syndrom der polycystischen Ovarien)
2. Enzymdefekte der Nebenniere
3. Androgene produzierende Tumore

Gemeinsame Symptome:

* Unfruchtbarkeit
* Zyklusstörungen
* Vermehrte Behaarung vom männlichen Behaarungstyp (Hirsutismus)
* Akne
* Übermäßige Entwicklung des Fettmantels der Oberhaut infolge vermehrter Talgabsonderung (Seborrhöe)
* Haarlosigkeit
* Allgemeine Vermännlichungstendenzen

Diagnostik: Die Patientin wird sich aufgrund unterschiedlicher Symptome an den Arzt wenden. Da jedoch viele oder fast alle dieser Symptome auf eine “Grundpathologie”, nämlich einen mehr oder weniger ausgeprägten Androgenüberschuß, zurückzuführen sind, empfiehlt sich ein schrittweises diagnostisches Vorgehen, welches zu einer Einschränkung im Hinblick auf die o.g. Funktionsstörungen und Krankheitsbilder führt.

Klinische Untersuchung und Befunderhebung:
Während der Untersuchung und Befunderhebung stehen zunächst Fragen nach der Menstruationsblutung im Vordergrund. Anschließend werden Größe und Gewicht der Patientin ermittelt; das Verhältnis von Hüft- zu Taillen-Umfang bestimmt; Haut, Behaarungstyp, Gesichts- und Kopfbehaarung, äußeres Genitale und die Muskulatur untersucht. Ergänzend wird nach Dauer und Verlauf der jeweiligen Symptome gefragt und eine mögliche familiäre Belastung überprüft.
Die Vaginalsonographie (Ultraschalluntersuchung der inneren Geschlechtsorgane) ist ein wichtiger Bestandteil der Untersuchung; die Suche nach Veränderungen der Eierstöcke im Sinne eines PCO-Syndroms mit randständigen Zysten und vermehrtem Bindegewebe steht im Mittelpunkt des Interesses.

Hormonanalytik: Die Hormonkonzentrationen im Blut werden nur wenig von der Norm abweichen, wenn die Eierstöcke normal arbeiten und eine regelmäßige Menstruation zu beobachten ist. Mit dem Nachlassen oder Ausbleiben der regelmäßigen Monatsblutungen (vor der Menopause) wird der Androgenübeschuß deutlicher, wobei allerdings der aktuelle Androgenspiegel nicht nur von der verstärkten Sekretions- und Produktionsrate des Hormons sondern auch von seiner Bin-dung an Bindungsproteine, seiner enzymatischen Umwandlung und seiner Ausscheidung und Verstoffwechselung abhängt.
Die endgültige Diagnose, die die Ursache einer Hyperandrogenämie benennt, ergibt sich aus der Zusammenschau aller Untersuchungsdaten und aus dem Verhalten der im Labor zu überprüfenden Hormonkonzentrationen unter der Therapie.

Differentialdiagnostik: Sie besteht in der Abklärung der Ursache der Hyperandrogenämie. Es kommen, wie bereits oben erwähnt, das PCO-Syndrom, der Enzymdefekt der Nebenniere und der Androgene produzierende Tumor in Frage.

Häufigkeit der Erkrankung: Wenn sämtliche o.g. Symptome als Ausdruck einer Hyperandro-genämie in Betracht gezogen werden, ist die Erkrankungshäufigkeit in der weiblichen Bevölkerung außerordentlich hoch. Die Häufigkeit des PCO-Syndroms beträgt in der Normalbevölkerung 5 – 10 %. Bei Frauen, die unter Menstruationsstörungen im Sinne einer zu selten stattfindenden Menstruationsblutung leiden, beträgt die Häufigkeit etwa 40 %. Das PCO-Syndrom ist unter den Erkrankungen der hormonproduzierenden Drüsen diejenige, mit der der Gynäkologe am häufigsten konfrontiert wird.
Enzymdefekte der Nebnniere sind als Ursache der Hyperandrogenämie deutlich seltener. Allerdings liegen diesen Enzymdefekten erbliche Faktoren zugrunde. Der Vererbungsmodus ist auto-somal rezessiv (d. h. die Erkrankung manifestiert sich dann, wenn das entsprechende Gen von mütterlicher und väterlicher Seite vererbt wird) und die Zahl der Genträger mit 1 : 7500 in Mitteleuropa recht häufig. Patientinnen, die an diesem Enzymdefekt leiden, können also nur Eizellen bilden, die das Gen übertragen. Liegt bei ihnen ein Kinderwunsch vor, sollte der genetische Status des Partners bekannt sein, damit eine gezielte Pränataldiagnostik und im Fall einer entsprechenden erblichen Konstitution des Fötus eine adäquate Therapie durchgeführt werden kann.
Androgene produzierende Tumoren kommen sehr selten vor.

Therapie: Beim PCO-Syndrom und bei Enzymdefekten der Nebenniere handelt sich um chronische Erkrankungen. Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Hyperandrogenämie und nach den aktuellen Zielen der Patientin (z. B. Kinderwunsch/kosmetische Wünsche). Ein Androgene produzierender Tumor muss identifiziert, gefunden und entfernt werden. Die spezifische Therapie wird bei den einzelnen Krankheitsbildern dargestellt werden.

PCOS – Polyzystisches Ovarialsyndrom – Definition

Das Polyzystische Ovarialsyndrom (engl.: Polycystic ovary syndrome; kurz: PCO-Syndrom, PCOS) ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen geschlechtsreifer Frauen, ausgelöst durch unterschiedliche pathogenetische Mechanismen. Das PCOS ist die häufigste Ursache für erhöhte Androgenspiegel (Hyperandrogenismus), Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit bei der Frau. Die ältere Bezeichnung Stein-Leventhal-Syndrom ist auch heute noch in Gebrauch. Andere mögliche Bezeichnungen sind chronische hyperandrogenämische Anovulation (CHA) oder Polycystic Ovarian Disease (PCOD).

PCOS, PCO Syndrom – Diagnostik

Laut Definition der Konferenz der „European Society of Human Reproduction and Embryology“ (ESHRE) und der „American Society for Reproductive Medicine“ (ASRM), die 2003 in Rotterdam vorgestellt wurde, liegt ein PCO-Syndrom vor, wenn zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt werden:

  • Polyzystische Ovarien – Zysten in den Eierstöcken. Das polyzystische Ovar (PCO) ist durch acht und mehr subkapsuläre Zysten mit einem maximalen Querschnitt von 10 mm und durch eine relative Vermehrung des Stromagewebes definiert. Ein zusätzliches Kriterium ist die Ovarvergrößerung. Je nach Definition haben 80 bis 100 Prozent der PCOS-Patientinnen polyzystische Ovarien. Ob polyzystische Ovarien vorliegen, kann vom Gynäkologen mittels Ultraschalldiagnostik festgestellt werden. Im Ultraschallbild (Sonogramm) sind dann viele kleine schwarze „Löcher“ auf den Eierstöcken zu erkennen.
  • Oligo- und/oder Anovulation – chronische Zyklusstörungen in Form von Oligo-/Amenorrhoe. Zyklusstörungen sind ein frühes klinisches Symptom und bestehen häufig bereits direkt nach der zum normalen Zeitpunkt auftretenden Menarche. Bei unregelmäßigen Zyklen gilt es zwischen der sogenannten Oligomenorrhoe und der Amenorrhoe zu unterscheiden. Oligomenorrhoe liegt vor, wenn die Abstände der Blutungen 35 bis 45 Tage betragen, während eine Amenorrhoe dagegen das vollständige Ausbleiben einer Blutung bzw. Blutungen, die in einem Abstand von drei oder mehr Monaten einsetzen, bezeichnet.
  • Virilisierung als klinisches Zeichen des Hyperandrogenismus. Dieses Symptom erfordert den Ausschluss von anderen Erkrankungen der Hypophywe, der Nebenniere und des Ovars. Klinisch kann sich die Virilisierung als Hyperseborrhoe, Akne, Hirsutismus oder Alopezie manifestieren.

Der Nachweis der namengebenden polyzystischen Ovarien ist also für die Diagnosestellung „PCOS“ gar nicht zwingend. Hintergrund ist, dass bei bis zu 23 Prozent aller normal zyklisierenden Frauen polyzystische Ovarien gefunden wurden, ohne dass jedoch ein PCOS vorliegen muss.

Der Nachweis der namengebenden polyzystische Ovarien ist also für die Diagnosestellung „PCOS“ gar nicht zwingend. Hintergrund ist, dass bei bis zu 23 Prozent aller normal zyklisierenden Frauen polyzystische Ovarien gefunden wurden, ohne dass jedoch ein PCOS vorliegen muss.

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